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Vertrauliche Fallakte · Fälschung & Betrug

Die Fälschung im Kontor am Brühl

Ein Wechsel mit zwei verschiedenen Handschriften und ein Buchhalter, der aus dem Urlaub nie zurückkehrte.

Ornate historic trading house facade in Leipzig

FLX-L-1906-031

Stadt
Leipzig
Ort
Brühl, Handelsviertel
Zeitraum
Herbst 1906
Status
Teilweise geklärt
Aktenzeichen
FLX-L-1906-031
Digitalisiert
August 2026

Einführung

Im Oktober 1906 weist eine Leipziger Bank einen Wechsel über 4.800 Mark zurück: Die Unterschrift des Prokuristen stimmt, der Text darüber stammt jedoch erkennbar von anderer Hand.

Der Prokurist Ludwig Maurer bestreitet, das Papier je gesehen zu haben. Der Buchhalter der Firma, Theodor Kampe, ist zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Wochen im Urlaub – und kehrt nicht zurück.

Chronologie

  1. 2. Oktober 1906

    Der Wechsel wird bei einer Leipziger Bank zur Einlösung vorgelegt.

  2. 9. Oktober

    Die Bank verweigert die Annahme wegen abweichender Handschrift.

  3. 12. Oktober

    Maurer erstattet Anzeige gegen Unbekannt.

  4. 19. Oktober

    Ein Schriftvergleich benennt zwei verschiedene Schreiber.

  5. Dezember 1906

    Kampes Pension in der Nordstraße wird als geräumt festgestellt.

Verfügbare Dokumente

  • Der beanstandete Wechsel

    Original, 1 Blatt, Tinte

    Unterschrift und Text stammen nach Gutachten von verschiedenen Händen.

  • Schriftvergleichsgutachten

    Typoskript, 6 Seiten

    Vergleicht 14 Schriftproben der Firma.

  • Kontorjournal Oktober 1906

    Geschäftsbuch

    Drei Seiten wurden sauber herausgetrennt.

Fotografien

  • Covered shopping arcade in Leipzig in black and white
    Handelsviertel mit überdachter Passage, Reproduktion um 1910.
  • Two handwriting samples compared side by side on a sheet
    Schriftproben nebeneinander auf einem Gutachtenblatt.

Karte

Innenstadtplan Leipzig mit Kontor, Bank und Pension in der Nordstraße.

Old inner city plan of Leipzig with marked locations

Zeugenaussagen

  • „Meine Unterschrift habe ich zuletzt auf einem Lieferschein gesetzt. Den Wechsel habe ich nie gesehen.“

    Ludwig Maurer · Prokurist

  • „Herr Kampe übte abends Unterschriften auf Löschpapier. Ich dachte, es sei ein Zeitvertreib.“

    Frieda Lenz · Schreibkraft

Ermittlungsnotizen

  • Das Löschpapier aus Kampes Schreibtisch wurde nicht gesichert.
  • Die herausgetrennten Journalseiten betreffen Buchungen, die Kampe selbst vorgenommen hatte.
  • Die Bank vermerkt, dass der Wechsel von einem Boten ohne Namen vorgelegt wurde.

Offene Fragen

  • Wer war der Bote, der den Wechsel vorlegte?
  • Was stand auf den herausgetrennten Journalseiten?
  • Arbeitete Kampe allein?

Abschließende Archivbewertung

Stand der Akte: Teilweise geklärt

Die Fälschung gilt als belegt, die Täterschaft als wahrscheinlich, aber nicht bewiesen. Kampe wurde nie gefasst; die Akte schließt ohne Urteil.