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Vertrauliche Fallakte · Verlorene Sammlungen

Die Sammlung Wendt

Dreihundert Kartenblätter, leere Regale und ein Katalog, der jedes Stück beschreibt – bis auf eines.

Wooden shelves with flat map folders in a quiet apartment study

FLX-D-1931-022

Stadt
Dresden
Ort
Äußere Neustadt
Zeitraum
Sommer 1931
Status
Verschollen
Aktenzeichen
FLX-D-1931-022
Digitalisiert
Juli 2026

Einführung

Der Lehrer und Kartensammler Otto Wendt hinterlässt 1931 eine Sammlung von rund dreihundert historischen Stadtplänen, sorgfältig verzeichnet in einem handschriftlichen Katalog.

Als das Nachlassgericht die Sammlung sichten will, sind die Regale in Wendts Wohnung bis auf zwei Mappen leer. Der Katalog hingegen ist vollständig – und enthält einen Eintrag, der durchgestrichen und dennoch mit Sorgfalt beschrieben wurde.

Chronologie

  1. April 1931

    Zwei Männer holen laut Hausverwalterin mehrere Kisten aus Wendts Wohnung ab.

  2. Mai 1931

    Wendt stirbt nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in der Neustadt.

  3. Juni 1931

    Das Nachlassgericht ordnet die Inventarisierung an.

  4. Juli 1931

    Bei der Inventur fehlen fast alle Kartenblätter; zwei Mappen bleiben zurück.

  5. 1932

    Das Verfahren wird mangels Anhaltspunkten eingestellt.

Verfügbare Dokumente

  • Handschriftlicher Katalog

    Heft, 64 Seiten

    Jedes Blatt mit Nummer, Maßangabe und Herkunftsvermerk.

  • Inventurprotokoll

    Typoskript, 4 Seiten

    Zählt zwei Mappen und elf Einzelblätter auf.

  • Quittung der Spedition

    Durchschlag

    Datiert auf April 1931; Empfänger nur mit Initialen.

Fotografien

  • Residential street with period apartment buildings in black and white
    Straße in der Äußeren Neustadt, Reproduktion um 1930.
  • Map folder with numbered catalogue labels
    Kartenmappe mit Katalognummern; Nr. 211 ist durchgestrichen.

Karte

Dresdner Stadtplan von 1898 mit dem Wohnhaus und der Lage der Spedition.

Historic Dresden city map from 1898 with marked addresses

Zeugenaussagen

  • „Im April kamen zwei Männer mit Kisten. Herr Wendt stand daneben und hat die Blätter einzeln gezählt.“

    Gertrud Schaller · Hausverwalterin

  • „Wendt fragte mich im Winter, was ein Blatt mit der Nummer 211 wert sei – ohne zu sagen, welches.“

    Paul Reimann · Antiquar

Ermittlungsnotizen

  • Der durchgestrichene Katalogeintrag trägt die Nummer 211.
  • Die Spedition existierte nur bis 1932; ihre Unterlagen sind nicht erhalten.
  • Kein einziges Blatt tauchte in späteren Auktionsverzeichnissen auf.

Offene Fragen

  • Was zeigte das durchgestrichene Blatt Nr. 211?
  • Wer waren die beiden Männer mit den Kisten?
  • Veranlasste Wendt den Abtransport selbst?

Abschließende Archivbewertung

Stand der Akte: Verschollen

Vieles spricht dafür, dass Wendt die Sammlung zu Lebzeiten bewusst fortgegeben hat. Warum er dies nicht dokumentierte, bleibt offen. Der Verbleib der Blätter ist bis heute nicht geklärt.